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Die wunderbare Welt ist umgezogen

Februar 3, 2011

Neue (und die alten) Blogposts findet ihr  unter www.hannes-jaehnert.de.


Das Europäische Jahr der Freiwilligenarbeit in Deutschland

Januar 8, 2011
European Year of Volunteering - Logo

European Year of Volunteering - Logo

Zehn Jahre nach dem Internationalen Jahr der Freiwilligenarbeit — 2001 ausgerufen von den Vereinten Nationen — steht das angebrochene Jahr in Europa erneut unter dem Stern des freiwilligen Engagements. Der Rat der Europäischen Union hat das Jahr 2011 zum Europäischen Jahr der Freiwilligenarbeit erkoren. Zu verdanken haben wir dies übrigens einem Zusammenschluss von mittlerweile 28 europäischen Verbänden und Netzwerken unter dem Dach des Centre Européen du Voluntariat (CEV). Diese EYV 2011 Alliance betrieb mehrere Jahre Lobbykampagnen für die Setzung dieses Themenjahr. Die Ziele des EYV 2011 hier in aller Kürze:

     

  • Schaffung günstiger Rahmenbedingungen für bürgerschaftliches Engagement in der Europäischen Union,
  • Stärkung des Potenzials der Organisatoren von Freiwilligentätigkeiten zur Verbesserung der Qualität von freiwilligem Engagement,
  • Anerkennung von Freiwilligentätigkeit
  • Sensibilisierung für den Wert und die Bedeutung von freiwilligem Engagement als Ausdruck einer aktiven Bürgerbeteiligung
  •  

Anlässlich des nun ausgerufenen Themenjahres zur europäischen Freiwilligenarbeit haben Michaela Hamburger und Michel Elberfeld vom Kompetenzzentrums „Ehrenamt“ der Paritätischen Akademie kürzlich einmal versucht Veranstaltungstermine — bzw. die Websites auf denen sie zu finden sind — zusammengetragen. Fündig geworden sind die beiden nach eigenen Angaben auf dem Kultusportal Baden Würtemberg, Engagiert in Deutschland und beim Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement BBE. Da Hamburger und Elberfeld allerdings lediglich nach dem Suchbegriff „Ehrenamt 2011“ Ausschau hielten, ist die tatsächliche Ausbeute von Veranstaltungen, die explizit zum Europäischen Jahr der Freiwilligenarbeit organisiert werden, nur spärlich. Überwiegend finden sich Seminarangebote und Weiterbildungen zum Thema, sowie Freiwilligenmessen und -marktplätze, die ohnehin jedes Jahr stattfinden.

Doch wonach sollten die beiden aber auch suchen? Auch ich habe mich mal auf der offiziellen Website zum Jahr der Freiwilligenarbeit der Europäischen Union umgeschaut. Eine Seite übrigens, die ich für übersichtlich, informativ und (im angemessenen Rahmen) partizipativ halte. Informationen gibt es dort in 22 Sprachen, es gibt Bilder, Videos, Geschichten und entsprechend der Europäiscen Union 27 separate Länderauswahlen mitsamt Veranstaltungskalender (der auch per RSS abonnierbar ist). Unter der Länderauswahl für Deutschland allerdings ließ sich nicht mehr als eine Ansprechpartnerin vom BMFSFJ und ein (fast) leerer Kalender finden. Lediglich die Tournee-Etappe am 07. Oktober 2011 in Berlin war eingetragen; irgendwelche Infos gab es aber auch dazu nicht. Zumindest nicht auf der Seite der Europäischen Union.

Nach einer kurzen E-Mail an die angegebene Ansprechpartnerin durfte ich mich (einmal mehr) als echter Journalist fühlen. In der Antwort-Mail erhielt ich recht prompt einen ganzen Haufen Material. Unter anderem einen Infotext zum Europäischen Jahr der Freiwilligenarbeit, das Programm sowie die Übersicht zu den acht Regionalkonferenzen. Außerdem war in der Mail der bezeichnende Hinweis auf die die eigens von der koordinierenden Geschäftsstelle (ansässig bei der BAGFW) eingerichteten, „offiziellen Webseite www.ejf2011.de“, die in Kürze freigeschaltet werden sollte.

Ein zentraler Bestandteil wird ein fortlaufend geführter Veranstaltungskalender zu den Aktivitäten rund um das EJF 2011 sein. Zudem stellen wir dort Projekte vor, die sich unter das Dach des EJF 2011 stellen möchten.

Gestern Abend (Freitag 07. Januar) ging diese Webseite online – das Material aus der E-Mail habe ich wiedergefunden, konkrete Veranstaltungstermine allerdings bleiben weiterhin nur in Aussicht gestellt. ‘Man arbeitet unter Hochdruck daran’ heißt es unter der entsprechenden Kategorie. Es sei aber auch jetzt schon möglich Veranstaltungshinweise mit Bild und Dokumentationsmaterial per E-Mail an die Betreibenden zu senden um dann (vielleicht) in den Kalender aufgenommen zu werden. Wenn der Veranstaltungskalender also in Kürze online geht, soll darin — so steht es im Newsletter Dezember 2010 — möglichst umfassend über die Aktivitäten im Jahr 2011 berichtet werden.

Das betrifft speziell für das EJF 2011 ausgerichtete Tagungen und Großveranstaltungen, aber auch regelmäßige Aktivitäten der Engagierten vor Ort. Gerade sie bilden die Basis einer aktiven und lebendigen Zivilgesellschaft und sollen auf der Website präsentiert werden. Konferenzen, Freiwilligentage, Seminare, Ehrenamtsmessen, Anerkennungsfeste und sämtliche Veranstaltungen, die die Ziele des EJF 2011 verfolgen, sollen eine Übersicht darüber geben, was im gesamten Bundesgebiet im Laufe eines Jahres rund um das Thema bürgerschaftliches Engagement geschieht.

Um es ehrlich zu sagen wundere ich mich ein wenig über die Eigenbröselei der deutschen Koordinierungsstelle. Zwar ist der leere Veranstaltungskalender Deutschlands auf der EU-Seite zum Jahr der Freiwilligenarbeit keine Ausnahme, doch stellt sich mir die Frage, wieso es unbedingt einen offiziellen, deutschen Veranstaltungskalender zum EYV 2011 auf einer eigens dafür eingerichteten Webseite geben muss, wenn die Europäische Union doch schon eine gute Struktur bereit stellt. Ich bin völlig d’accord mit einer Webseite auf der nähere Informationen und regelmäßige, abonnierbare Updates zu finden sind, ich verstehe aber nicht, wozu die Mehrfachinvestition in verschiedene Veranstaltungskalender gut sein soll; zumal es die tatsächlichen Nutzbarkeit ja offenbar nur verzögert.

Bis jetzt gibt es zwar mehrere Web-Angebote mit vielen (mal gut mal weniger gut aufbereiteten) Informationen zum Europäischen Jahr der Freiwilligenarbeit und dem, was in Deutschland so passieren soll, doch Informationen für die zivilgesellschaftliche Basis — die ja der hauptsächliche Adressat dieser Veranstaltung ist — bleiben vorerst rar. Wir wissen jetzt zwar, wo wir nachschauen können, ob es in Kürze aber wirklich etwas zu sehen gibt, bleibt leider offen.

Offener Brief von Mario Sixtus zum Leistungsschutzrecht für Presseverlage

Dezember 29, 2010

Ob bei  Twitter, Facebook oder über (Micro-)Blogs: Über Polemik sollte man sich im Social Web nicht wundern. Das geschliffene Wort der Pressemeldng hat seinen Wert verloren. Auch der offene Brief kommt heute in anderer Gestalt daher — eben polemisch und spitz. Mit Marshall McLuhans bekannten Worten „media is the message“ im Hinterkopf sollte man nun aber gerade nicht auf die Idee kommen, den Inhalten — ob der Polemik, in die sie verpackt wurden — die Ernsthaftigkeit abzusprechen. Wie der Inhalt daher kommt, sollte eigentlich unerheblich sein. Zumindest wenn er sich wie ein Lauffeuer durchs Internet verbreitet.

Vom Elektrischen Reporter Mario Sixtus war heute auf Charta.info der folgende Brief an Springer, Holtzbrinck, Burda & Co. zu lesen, den ich mit diesem RE-Post gern unterschreibe. Herrlich spitz und mit treffender Polemik macht Sixtus seinem Ärger über das Leistungsschutzrecht für Presseverlage (und besonders die, die im Internet publizieren) Luft, das uns sicherlich auch in 2011 weiterhin beschäftigen wird.

Liebe Verleger,

das tut jetzt vielleicht ein wenig weh, aber einer muss es mal deutlich sagen: Euch hat niemand gerufen! Niemand hat gesagt: “Mein Internet ist so leer, kann da nicht mal jemand Zeitungstexte oder so was reinkippen?“ Ihr seid freiwillig gekommen, und ihr habt eure Verlagstexte freiwillig ins Web gestellt. Zu Hauf. Und kostenlos. Ihr nehmt keinen Eintritt für die Besichtigung eurer Hyperlink-freien Wörterwüsten, weil ihr genau wisst, dass niemand dafür Geld ausgeben würde. Ihr habt seriöse und un- seriöse SEO-Fritzen mit Geld beworfen, damit Google eure Seiten besonders lieb hat. Ihr seid ohne Einladung auf diese Party gekommen. Das ist okay, ihr könnt gerne ein wenig mitfeiern. Prost! Aber wisst ihr, was gar nicht geht? Dass ihr jetzt von den anderen Gästen hier Geld kassieren wollt. Sogar per Gesetz. Verleger: geht’s noch?

Bitte unterbrecht mich, falls ich etwas falsch verstanden habe mit diesem “Leistungsschutzrecht“, was gut sein kann, denn logisch ist das alles bestimmt nicht. Ihr wollt eine Art Steuer kassieren für all die Arbeit, die es bereitet, Texte online zu publizieren. Das ist die Leistung, die geschützt und bezahlt werden soll. Nicht etwa die Texte selbst sind es, für die ihr honoriert werden wollt, sondern das Zusammentragen und online stellen. Richtig? Wo und wie dieses Geld eingesammelt werden soll, ist zwar noch nicht ganz klar, aber immerhin habt ihr da schon ein paar Ideen. Vielleicht aber könnte man dazu auch Wahnvorstellung sagen. Einer dieser Einfälle, der ein wenig nach Megalomanie, Irrwitz und gekränktem Narzissmus schmeckt, lautet: News-Aggregatoren sollen zahlen. Also Angebote wie Google News. Dafür, dass sie diese Textschnipselchen anzeigen, die als Hyperlinks dienen, die zu euren Verlagsangeboten führen. Google spült euch die Hälfte eurer Besucher auf die Seiten und jetzt sollen sie dafür bezahlen? Das ist in etwa so, als würde ein Restaurantbesitzer Geld von den Taxifahrern verlangen, die ihnen Gäste bringen.

Dann ist da noch die Idee, gewerbliche Computernutzer zur Kasse zu bitten. Pauschal und auf Verdacht. Denn sie könnten ja irgendwie davon profitieren, dass ihr umgeklöppelte Agenturmeldungen, Oktoberfest-Bilderklickstrecken und überlaufende Inhalte eures Print-Redaktionssystems ins Web pumpt. Eine Verleger-GEZ wollt Ihr euch zusammenlobbyieren. Einerseits. Auf der anderen Seite droht ihr mit rituellem Selbstmord, wenn die gebührenfinanzierte Tagesschau eine iPhone-App bereitstellt. Wie geht das zusammen? Die Öffentlich-Rechtlichen sind aufgrund ihrer Gebührenfinanzierung eure erklärten Todfeinde, andererseits wollt ihr euch in gebührenfinanzierte Verleger verwandeln? Ja habt Ihr denn überhaupt keinen Stolz?

Die Gewerkschaften habt ihr schon auf eurer Seite. Das ist kein Wunder. Gewerkschaften sind in etwa so fortschrittsfreudig wie die Taliban. Hätte es sie damals schon gegeben, wären sie sicherlich auch gegen die Einführung des Buchdrucks gewesen, da er schließlich zu Arbeits- platzabbau in den klösterlichen Schreibstuben führt. Und die schwarz-gelbe Regierung hat ein wie auch immer geartetes Leistungsschutzrecht sogar schon in ihren Koalitionsvertrag geschrieben. Das ist ebenfalls kein Wunder, schließlich hat sich die politische Elite mit der alten Medien-Oligarchie prima arrangiert. Man kennt sich und weiß sich zu nehmen.

Der CTRL-Verlust-Blogger Michael Seemann hat den hübschen Begriff “Leistungsschutzgeld“ erfunden. Eigentlich wollt ihr auch ein “Leitungsschutzgeld“: Wer beruflich eine Internet-Leitung hat, soll zahlen, zu eurem Artenschutz. Wisst ihr was, Verleger? Haut doch einfach ab aus dem Web, wenn es euch hier nicht gefällt. Nehmt eure Texte mit und druckt sie auf Papier oder schickt sie meinetwegen per Fax weg. Denn: Euch hat niemand gerufen.

Crosspost mit freundlicher Genehmigung des „Magazins für elektronische Lebensaspekte“, De:bug, Ausgabe 148, Creative Commons: CC-BY

Viel Spaß allerseits beim Weiterverbreiten!!!

UPDATE: DRadio Wissen hat den Brief lesen lassen:


 

 

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